Notruf Protokolle –

Grundprinzip der Kommunikation


 

Damit ein Notrufsystem erfolgreich kommunizieren kann – sei es ein Notruf, ein geplanter Kontrollruf oder eine
Störmeldung – muss das Gerät wissen, in welchem Format der Anruf abzusetzen ist. Das gewählte Protokoll
definiert dieses Format; Absender und Empfänger müssen dasselbe Protokoll sprechen. Die Protokollauswahl
im Gerät muss dem erwarteten Protokoll der Notrufzentrale entsprechen.

Historisch wurden Protokolle ausschließlich über das analoge Fernsprechnetz (PSTN/POTS) übertragen, wobei DTMF-Töne zur Datenübertragung dienten. Mit der Verbreitung von GSM und später 4G/LTE entstanden neue Übertragungsprobleme, da DTMF-Töne in digitalen Mobilfunknetzen verzerrt oder unterdrückt werden können.

BinaStar: Durch jahrelange Projekterfahrungen konnten wir unseren Erfahrungsschatz stetig ausbauen.
Wir verstehen eine Vielzahl der verschiedenen Protokolle. Auch mit der dazugehörigen Hardware wie
Gateways, Router etc. haben wir Erfahrung.

Wir sprechen fast alle Notruf-Protokolle!

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    Reines Sprachprotokoll (Voice-only)


     

    Das einfachste und älteste Protokoll ist die reine Sprachverbindung ohne Datenübertragung. Das Notrufsystem wählt eine oder mehrere vorkonfigurierte Telefonnummern und spielt beim Verbindungsaufbau eine aufgezeichnete Sprachansage ab, die den Aufzugsstandort ansagt.

    Funktionsweise

    Autodialer wählt Zielrufnummer; Bandansage identifiziert den Aufzug

    Übertragungsmedium

    Analoges PSTN/POTS (analoge Amtsleitung), heute auch GSM-Voice

    Datenübertragung

    Keine – reine Sprachverbindung; Empfangsrechner nimmt Anruf auf Stimme an

    Vorteil

    Universell kompatibel; keine proprietäre Infrastruktur beim Empfänger erforderlich

    Nachteil

    Keine automatische Datenbankanbindung; Standortidentifikation nur durch Bandansage; keine Statusmeldungen

    Verbreitung

    Historisch weit verbreitet; heute noch aktiv in Systemen ohne Protokoll (EXTIS, URMET u. a.)

    DTMF-basierte Wählprotokolle


     

    Ein wesentlicher Fortschritt war die Einführung von DTMF-Sequenzen (Mehrfrequenzwahlverfahren) zur Übertragung strukturierter Daten während des Verbindungsaufbaus. Diese Protokollfamilie bildet die Basis der meisten bis heute gebräuchlichen älteren Systeme.

    Lösung

    Moderne Umsetzungen kapseln DTMF-Informationen in In-Band-Signalisierung (RFC 2833 / RFC 4733) oder übertragen sie über separate Datenkanäle.

    DTMF (Dual-Tone Multi-Frequency)

    Jedes Ziffer/Steuerzeichen wird durch ein Frequenzpaar kodiert
    (697–941 Hz + 1209–1633 Hz).

    Problem in digitalen Netzen

    GSM-, 3G- und VoLTE-Netze kodieren Sprachsignale mit verlustbehafteten Verfahren (AMR-Codec), was DTMF-Töne verzerren oder unterdrücken kann.

    P100 – Das dominante offene Protokoll


     

    Das P100-Protokoll ist heute das gängigste offene (herstellerunabhängige) Protokoll für Aufzug-Notrufsysteme in Deutschland, Österreich, der Schweiz und zunehmend in Frankreich und Spanien. Es wurde aus der Aufzugsbranche heraus entwickelt und gilt als de-facto Quasi-Standard.

    Typ

    DTMF-basiertes Datenprotokoll über analoge Telefonleitung (PSTN) – ursprüngliche Version

    Identifikation

    Jedes Gerät übermittelt eine eindeutige numerische ID (bis zu 8-stelliger Code) an die Notrufzentrale

    Verbreitung

    DACH-Raum, Frankreich, Spanien, Skandinavien, Benelux, Osteuropa

    Varianten

    P100R (SafeLine/ROCOM-Erweiterung), MEMTEL (MEMCO-Variante), P100 über MQTT (moderne Datenkapselung für GSM/4G)

    Kompatibilität

    SafeLine, MEMCO/AVIRE, Telegärtner, ROCOM, ANEP (FR), ESSE-ti (IT), DMG/AMIGO und vieles mehr

    Übertragungsinhalt

    Notruf-Status, Routineruf (72h-Kontrollanruf), Mikrofon-/Lautsprecherstatus, Batteriestatus, technische Ereignisse

    Telegärtner (proprietäres System)


     

    Telegärtner ist ein deutsches Unternehmen, das eigene proprietäre Notrufgeräte und -protokolle für Aufzüge entwickelt und vertreibt. Geräte wie der GSM Blue kommunizieren über ein herstellerspezifisches Protokoll, das eine enge Integration zwischen Endgerät und Notrufzentrale ermöglicht, jedoch Flexibilität beim Wechsel der Leitstelle einschränkt.

    Typ

    Proprietäres GSM/LTE Datenübertragungformat Protokoll über dedizierte Notrufgeräte der Marke Telegärtner

    Identifikation

    Gerätespezifische ID-Übertragung an die Notrufzentrale; Gerätekonfiguration über herstellereigene Software

    Übertragungsinhalt

    Notruf, Routineruf (72h), Batterie- und Gerätestatus, Sprachverbindung; Statusmeldungen je nach Gerätegeneration

    Varianten

    GSM Blue (klassisch), GSM Blue LTE (4G-Nachfolger), weitere Geräte der GSM-Blue-Serie mit verschiedenen Ausstattungsstufen

    Kompatibilität

    Primär mit Telegärtner-zertifizierten Notrufzentralen; eingeschränkte Interoperabilität mit Fremd-Leitstellen ohne spezifische Anbindung

    Verbreitung

    Deutschsprachiger Raum (D, A, CH); weit verbreitet bei mittelständischen Aufzugsbetreibern und -herstellern

    GSM Blue – Aufzugsnotrufsystem


     

    GSM Blue ist ein modernes Kommunikationssystem, das über Mobilfunk (GSM/2G oder neuer 4G/LTE) eine Sprechverbindung aus der Aufzugskabine zu einer Notrufzentrale herstellt. Es wird primär zur Erfüllung gesetzlicher Vorschriften (DIN EN 81-28) eingesetzt, um eingeschlossene Personen sicher zu befreien.

    Typ

    GSM/LTE-basiertes Notrufkommunikationssystem für Aufzüge — kein analoger Festnetzanschluss erforderlich. Primär zur Erfüllung von DIN EN 81-28.

    Identifikation

    Gerätekennung per DTMF oder IP-Daten; Konfiguration und Geräteverwaltung über herstellereigene Software

    Übertragungsinhalt

    Direkte Sprachverbindung (24/7), Notruf, automatischer Selbsttest (alle 72 h), Batterie- und Gerätestatus, Betriebsmeldungen

    Varianten

    2G/GSM (klassisch) und 4G/LTE-Upgrade für Zukunftssicherheit nach 2G-Abschaltung; Einzel- und Flottenlösungen verfügbar

    Kompatibilität

    Kompatibel mit gängigen Notrufzentralen; geeignet für Nachrüstung in Bestandsaufzügen sowie Einbau in Neuanlagen

    Verbreitung

    Weit verbreitet im deutschsprachigen Raum (D, A, CH); Standard bei Modernisierungen im Zuge der 2G-Abschaltung

    Proprietäre Herstellerprotokolle


     

    Neben den offenen Protokollen setzen viele Hersteller auf proprietäre Protokolle, die eine engere Integration zwischen Notrufeinheit und Empfangsrechner ermöglichen, aber die Flexibilität beim Wechsel der Notrufzentrale einschränken.